DER DEAL, DIE HURE DER JUSTIZ
ODER
ERPRESSUNG, FALSCHURTEIL & RUFMORD
 
„DA HAMMSE JA DEN GESAMTEN HOCHADEL DES KUNSTHANDELS VORGEFÜHRT UND ÜBERDIES NOCH JUSTIZGESCHICHTE GESCHRIEBEN“, SAGT HAUPTKOMMISSAR R.A., DER SOKRATES UNTER DEUTSCHLANDS KRIMINALERN, NACHDEM ICH AUF DEM KUNSTMARKT EINE LUKRATIVE MARKTLÜCKE ENTDECKT, SIE MIT EINEM TESTLAUF UNTERMAUERT HATTE UND IN ALTER PERSÖNLICHER UND MARKTWIRTSCHAFTLICHER TRADITION MIT EINEM TESTLAUF UND EINER PR-AKTION KRÖNEN WOLLTE.“
ICH WAR SOEBEN OPFER ZWEIER HINRICHTUNGSINSTRUMENTE GEWORDEN, VON DENEN ICH BISHER KEINE AHNUNG HATTE:
*DER MACHT UND SCHLAGKRAFT EINES BLAMIERTEN IMPERIUMS UND
*DER GUILLOTINE DES DEUTSCHEN RECHTSWESENS, DEM DEAL, AUCH GENANNT DIE HURE DER JUSTIZ.
„JAU“, NICKE ICH, HINGERICHTET, RUFGEMORDET UND MISSGESTIMMT….

….UND BESTELLE MIR EINE PFANNE BRATKARTOFFELN MIT KETCHUP, SPECK UND SPIEGELEI.
************************
 
SEIT März 2013 GIBT ES MIT DER EINFÜHRUNG DES DEAL
WIEDER DIE TODESSTRAFE IN DEUTSCHLAND. NUR SUBTILER:
DU SELBER SOLLST JETZT DEIN HENKER SEIN.
 
„Geständnis oder Gefängnis, Freiheit oder Festung“ unter diesem
NIEDERTträchtigen Diktat des HOHEN GERICHTS geht jeder
Angeklagte in die Knie und gesteht, was ihm vorgeworfen wird.
Dann wird er verurteilt, ist physisch frei und darf nach Hause gehen.
Doch er ist auch: vorbestraft und rufgemordet, verfemt, hingemeuchelt, wegradiert und ausgespuckt. Solche Fehlurteile gibt es laut Ralph Eschelbach, Richter am Bundesgerichtshof (BGH) bei etwa 25 Prozent
der Strafprozesse in Deutschland, etwa 650 mal am Tag, 250000 mal
im Jahr. Davon ausgehend, daß ein rufgemordeter, verfemter, hingemeuchelter, wegradierter und ausgespuckter Mensch noch vierzig Jahre lang lebt, summiert sich das auf eine Armee von 8 Millionen Falschverurteilten, Ausgestoßenen, Rufgemordeten, Verfemten, Hingemeuchelten und Wegradierten…
 
….das sind etwa so viele, wie Österreich Einwohner oder viermal so viele,
wie die chinesische Armee Soldaten hat und so viele, wie alle in
Deutschland zugelassenen PKW der Marken Mercedes und BMW.
Laut Schätzungen wird etwa jeder 200ste der Rufgemordeten, Verfemten,
Hingemeuchelten, Wegradierten und Ausgespuckten mit den Folgen
früher oder später nicht fertig und vergiftet, erschießt, erhängt
oder ertränkt sich.
 
Zu Tode gestraft.
 
Roland Freisler, der Blutrichter des Dritten Reiches,
grüßt leise lächelnd aus dem Todesacker.
Er hat es nur auf 2600 Todesurteile gebracht
************************
 
 
Also, Bienchen,
wie Dir in meinem ebook versprochen, erzähle ich Dir jetzt hier die
Geschichte von der Öl-Farbe, die in langen feuchten Fäden langsam von
der Leinwand auf den steinernen Kamin-Sims meines Lofts tropft
und dort das Gemälde malt von der mißratensten PR-Aktion meiner Karriere, von der Blamage der Kunsthändler-Elite, von der Rache des Imperiums, vom erzwungenen, falschem Geständnis und meinem Widerruf, vom Antrag auf Wiederaufnahme des Prozesses, von der zornigen Ungeduld nach Rehabilitation…
:
…. und von dem allerallerdicksten Ding der deutschen Rechtsprechung überhaupt: dem DEAL, „der Hure der Justiz“: Der Erniedrigung, Erpressung, Vergewaltigung,
Rechtsbeugung,  Vernichtung und dem Ruf-Mord durch das Hohe Gericht nach dem Motto: „Geständnis oder Gefängnis, Freiheit oder Festung.“
Hauptdarsteller: ich, und die drei Kunstauktionshäuser Sotheby’s, Christie’s und Grisebach, London, New York und Berlin, sowie eine pitschtropfenpatschnasse Leinwand,
die so pitschtropfenpatschnaß ist, daß der ferne Mond Ebbe und Flut auf ihr auslöst.


 
 
ROBUST ROMANTISCHER RABAUKEN POP!: ZU ZWEIT: 100 x 100 cm, Acryl und Öl auf Leinwand. Knut  Eicke, € 3,200.

Na, ja, Bienchen, wie Du ja damals mitgekriegt hast, suchte ich nach
dem Untergang meiner „Sir Huckleberry Insurance Company“, der verrücktesten Versicherungsgesellschaft der Welt, und meinem damit verbundenem Ruin, händeringend nach einer neuen, lukrativen und unterhaltsamen Marktlücke. Nach 25 Jahren hat mir der Tsunami  der Finanzkrise meinen Lausbuben unter den Versicherungsgesellschaften kurz vor dem Börsengang hinweggehustet wie eine Mövenfeder am Strand. Und mich, ihren einzigen Teilhaber, gleich mit. Futsch waren die 10 Millionen, die ich die Jahre davor an der Börse gemacht und in Sir Huckleberry investiert hatte.
Etwas Neues mußte her. Erfolgshungrig  stromerte ich hier und stromerte dort, erwog dies und das, interviewte Gescheiterte und Erfolgreiche, Überflieger, Pfiffikusse, Schwätzer, Träumer und Genies. Ich ließ meine Augen und Ohren kreisen wie einen Radarschirm und verschlang Berge von Zeitungen und Magazinen.
Breites Thema in der Presse: Galeristen, Kunstauktionatoren, Museumsleute und Kunstberater springen weltweit aus dem Fenster,  erdrosseln oder erschießen sich, tauchen unter, werden verhaftet oder machen ’ne Mücke. Dies immer im Zusammenhang mit gefälschten Bildern und Skulpturen.
Uff!
Und  ebenso intensiv in den Medien: die  Berichterstattung über weltallweite Reisen wissenschaftlicher Sonden, die nach der Landung auf fernen  Planeten, Monden, Kometen, Sternen, Galaxien und Weißderteufelwas so leichthändig von der Erde aus gesteuert werden können, wie der  Autoscooter unter dem eigenen Hintern. Und die dann auch noch dank der neuesten Forschungsergebnisse die präzisesten Analysen von Gestein und Atmosphäre hierher zur Erde senden. Über Mi-lli-ar-den von Meilen, Baby.
Uff! Oder ?
Christian, ein Freund beim Fraunhofer Institut, berichtet mir, daß die Analyse- und Meßtechnik in den letzten Jahren so gewaltige, so atemberaubende Fortschritte gemacht hat, daß sich inzwischen sämtliche Materialien der Welt, egal, ob Holz, Steine, Knochen, Stoffe, Pflanzen, Papiere, Kalk, Metalle, Farben hinsichtlich ihres Alters, ihrer chemischen Zusammensetzung, ihrer Struktur und Weißderteufelwas auf’s Unzweifelhafteste bestimmen lassen. Jede Änderung der Atmosphäre, jede Spur eines aus Afrika nach Europa gehauchten Wüstensandes,
jeder Vulkanausbruch oder Atombombenabwurf hinterläßt jetzt seine lesbare Spur in allen irdischen Materialien. Jede Muschel auf dem Gipfel der Alpen, jede Moorleiche, jeder Mageninhalt eines Dinosauriers und jede Schneeflocke in der Tiefe eines Gletschers liegend damit wie ein offenes Buch vor dem Betrachter.
Uff!
Und wennste dann wissen willst, welche Art von Kobolden dies alles fertigbringt, dann haut er Dir solch gespenstischen Begriffe um die Ohren wie Rasterelektronen-Mikroskopie, Elektronenbeschuß, Polariemetrik, Radionkarbonmethode, Computertomographie, Elektronenmikroskop, röntgengestützte Fluorreszenzspektroskopie, Radioisotopen und Protonen, Elektronenstrahlmikrosondentechnik, dendrochronologische Altersbestimmung.
 
Na ja, alles irgendwie so oder so ähnlich. Für mich eine fremde Sprache aus einer fremden Welt. Du weißt ja, wie fremd mir in Wissenschaft und Technik alles Nicht-Haptische und Nicht-Mechanische ist. Wenn  mein Auge etwas nicht versteht, stolpert auch mein Hirn. Da wird nix durchgestellt.
Doch jetzt, potzblitz und sakradir,
da schnackelt’s und da dämmert’s mir
Hier: der Kobold Wissenschaft,
der ein neues Wissen schafft
und dem nun nichts verborgen bleibt.
Und dort: die Kunstleut, die sich scharenweise
-und ganz leise-
mit allen ihren Siebensachen,
schleunigst aus dem Staube
-und manche aus dem Leben-
machen.
Babybienchen, ahnste was? Ja, was meinste denn, für welches Metier dieser Stand der Wissenschaft den Todeskuss bedeutet?
Den absoluten Todeskuss? Und eine Zäsur, wie es nie zuvor eine Zäsur in der Geschichte dieses Metiers gegeben hat!? Und der mit einem Schlage einen Milliardenmarkt, wenn nicht einen Billionenmarkt, pulverisiert, ach was, atomisiert hat !?
Ich sag’s Dir, Bienchen: den Markt der Kunstfälschungen.
Das Gemetzel auf dem Kunstmarkt und die Wunder der Analyse-Technik, die sind blutige Geschwister! Gnadenlos spuckt der Computer jetzt aus, was Sache ist. Und gnadenlos enttarnt er Ungeheuerliches, Unbestreitbares und Atemberaubendes:
… nämlich, dass mindestens ein Drittel aller Kunstwerke auf der Welt, ein
Drihihihittel, Baby, Fälschungen sind!! Ein Drittel des Weltkunstbestandes!! Jedes dritte Kunstwerk entpuppt sich nun als Gaunerei, als Verhohnepiepelung, als Betrug. Ein Gesamtbestand an Fälschungen, der sich nicht in müden Milliarden rechnet, sondern in Trillionen. Oder so. Und damit nach dem Drogenmarkt und dem illegalen Waffenhandel der drittgrößte Gaunermarkt der Welt ist. Unsere edle Kunst, der drittgrößte Saumarkt der Welt! Und da soll nicht eine ganze Kette von Wissenden, Eingeweihten, Mitmachern, Wegguckern, Augenzwinkernden, Auftraggebern dahinterstecken? Jedes dritte Kunstwerk, das durch ihre Hände ging: falsch! Teuer! Fette Beute! Dröhnend wieherndes Hohngelächter. Omerta. Omertissima.
Und das Hohngelächter wird zur grölenden Kaskade: ist er doch auch noch darüber hinaus der allerallerprofitabelste: mit ein bisschen Leinwand, Pinsel, Õl  und Acryl  lassen sich im Nu Millionenwerte schaffen. Und dies in der heiteren Umgebung luftiger Lofts oder sommerlicher Swimmingpools und frei und fröhlich transportabel quer durch die Welt über alle Landes- und Zollgrenzen hinweg, begleitet vom herzlichen Glückwunsch der Zöllner und  Zuschauer. Was für ein Unterschied zum dunklen, lebensgefährlichen, aufwändigem Geschäft bei Herstellung, Transport und Verteilung von Waffen und Drogen!
Bienchen, sachma, da hältste doch stundenlang die Luft an, oder Baby?
Gnadenlos grau werden jetzt die Gesichter vieler Galeristen, Künstler, Gemäldesbesitzer, Kunstberater und Museumsdirektoren. Plötzlich sind sie ertappt, überführt. Über Nacht werden Gemälde und ganze Bestände zu buntem Altpapier, Sammlungen zu Sondermüll und bunte Meisterwerke zu vertrockneten Farbklecksen.
Diese Armada wissenschaftlicher Zauberzwerge sorgt für eine Revolution auf dem Kunstmarkt und schafft eine Situation, die einen großen Teil der horrenden Bewertungen und Einschätzungen zu gebrauchtem Klopapier werden läßt.
Jedes Gemälde und jede Skulptur der Welt können jetzt unbestreitbar auf ihre Echtheit hin untersucht werden.
Jede, absolut jede Fälschung, sei sie auch auf’s Einfühlsamste und Raffinierteste ausgeführt, muß jetzt unweigerlich kapitulieren. Erst recht jeder Auktionator oder Galerist oder Gutachter bei dem Versuche, Fälschungen zu bestreiten oder an den Mann zu bringen. Und jeder Museumsdirektor oder Besitzer eines Kunstwerkes kann sich jetzt bei der Sichtung seines Bestandes endgültig Klarheit verschaffen.
Aufgeregt berichte ich der hochwohlgeborenen Lady B. in einer SMS von dieser aufregenden Entdeckung.
Es zeigt sich, daß es nicht einen einzigen, renommierten Künstler auf der Welt gibt, der nicht vielfach, oft hundert-  oder tausendfach kopiert wurde und als Fälschung über Auktionshäuser, Galerien oder Gutachter seinen Weg zu Privatpersonen oder in die Museen gefunden hat.
Ob des Malers Schnaps- oder Knoblauchfahne, ob Rechts- oder Linkshänder, ob feuchte Aussprache oder verregneter Sommer, ob Pinsel aus dem Winterfell des
sibirischen Feuer-Wiesels, dem Sommerbauchfell des Mittelmeer-Eichhörnchens oder den Nasenhaaren des Künstlers Kasimir: da rasen die Neutronen, Elektronen,  Protonen und Weißderteufelwas mit doppelter Lichtgeschwindigkeit durch die Leinwand und erkennen in Millisekunden das Anbaugebiet der Knoblauchsorte, die Blutgruppe des Malers, das Geschlecht des Feuer-Wiesels sowie Herkunft und Alter von Farbe, Holz und Leinwand.
Bums!
 
ROBUST ROMANTISCHER RABAUKEN POP!: PARIS. 200 x 150 cm. Umwerfend: 20 Jahre lang, von 1920 bis 1940, hat der Illustrator Georges Peltier 30,000 Arbeitsstunden damit verbracht, akribischgenau jedes einzelne Gebäude der Pariser Innenstadt aus der Vogelperspektive nachzuzeichnen. € 3,500


 Ende einer jahrtausendalten Epoche der unentdeckten Fälschungen und Gaunereien. Hinter den Kulissen, verborgen vor den Augen der Öffentlichkeit, ist der Teufel los. Der Kunsthandel ist in Aufruhr. Viele Galeristen, Kunsthändler, Kunstberater, Fälscher und Gutachter, unter ihnen Erste Adressen, stehen über Nacht ohne Hose da.
In solch einem Umbruch war der Kunstmarkt noch nie. Vieles wird unter der Hand rückabgewickelt, um Rufschädigungen, Verhaftung und Ruin zu vermeiden. Aber langsam dringt immer mehr nach draußen.
Also, eine wirklich historische Situation. Und ich war verblüfft, daß bisher niemand  auf die Idee gekommen war, hieraus einen unternehmerischen Nutzen zu ziehen. Übersehe ich da was, Bienchen?
Klar, ist ein verdammt heißes Thema. Wer da zu nah ran kommt, riskiert eine Konfrontation mit dem Imperium. In Rom hat man einen solchen Naseweis mit eingeschlagenem Schädel vor einer Kirchentür aufgefunden. Omerta.
Wenn das man keine Marktlücke ist! Eine Weltmarkt-Marktlücke. Meine Weltmarkt-Marktlücke?
………………………………………………, die Marktlücke zu testen.
Mein Angebot an Besitzer von Kunstwerken sollte etwa so lauten:
„Leute, her mit Euren Bildern und Skulpturen. Nutzt die neuen, unglaublichen  Fähigkeiten der Wissenschaft, um zu erfahren, ob Ihr nicht Hunderttausende oder Millionen für bunte Kakadu-Kacke ausgegeben habt. Laßt sie in Quarks, Neutronen, Protonen und Elektronen zerlegen, sie bis in’s Innerste ihrer Seele und Materie analysieren. Auf unsere Kosten werden die Bilder bei einem der weltweit anerkannten Institute zur Überprüfung ihrer Authenzität eingeliefert. Erweisen sich die Werke als echt, dann haltet Ihr als Besitzer ein dementsprechendes, international anerkanntes Dokument in den Händen  -ein beruhigendes Gefühl angesichts der Gebirge gefälschten Materials. Und von Vorteil beim einem eventuellen Weiter-Verkauf oder gar bei Ansprüchen gegenüber Versicherungsgesellschaften infolge eines Diebstahls. Eigentlich wird Eure Kunst erst mit einer solchen Expertise zum Wertgegenstand.“
Sollten jedoch die Prüfgeräte eine Fälschung aufzeigen, werden wir den Verkäufer/Galeristen/Auktionator/Künstler mit dem unbestreitbaren Ergebnis konfrontieren und auffordern, den Kaufpreis zurückzuerstatten. Dies geschieht, wie
die neuesten Erfahrungen mit aufgedeckten Fälschungen zeigen, angesichts der Gefahr von Rufschädigung und Schlimmerem recht bereitwillig.
Im Erfolgsfalle würden wir dann einen gewissen Anteil an der zurückerstatteten Summe erhalten.
Um diese Dienstleistung bekannt zu machen, brauchte ich in alter persönlicher -und marktwirtschaftlicher-  Tradition einen Testlauf. -so, wie sie mir bisher immer wieder gelungen war: sei es mit dem weltweiten Medien-Echo auf meine ‚Sir Huckleberry Insurance Company‘, der heiteren Persiflage auf das graue
Versicherungswesen, sei es in den Siebzigern meine  Partnerschaft mit dem legendären Börsenspekulanten André Kostolany in Paris, an dessen Seite ich Einblicke in manch wundersame Manöver der Geldvermehrung erhielt, sei es mit dem Magenballon, dem „Diet Cushion“ aus Latex, der erbsenkleingefaltet durch die Speiseröhre in den Magen des Patienten eingeführt wird und das Magenvolumen um etwa die Hälfte verkleinert.
Und so geht jetzt auch hier in der Bildersache nichts ohne heiteres Trommeln. Ich beschließe, ein Gemälde im Stile des 1997 verstorbenen Künstlers Martin Kippenberger malen zu lassen und von den renommiertesten Auktionshäusern ein Urteil darüber zu erbitten. ob dies wohl ein authentisches Werk dieses Malers sein könne. Als treffliche Herkunftsangabe würde ich den ehemaligen Landsitz meiner Eltern angeben, auf dem meine Geschwister vor einigen Jahrzehnten einen
Kunsthandel betrieben. So kann ich als Kunst-Trottel gut die Frage nach
der Echtheit des Bildes stellen.
 Um nicht Gefahr zu laufen, verplappert zu werden, weihe ich niemanden in meinen Plan ein. Dem Künstler gegenüber begründe ich den Auftrag damit, daß ich eine bestimmte Idee verfolge, deren Durchführbarkeit ich hiermit mal testen wolle (wie sich später herausstellte, hatte ich da nicht weit genug gedacht und die Faktoren Torheit und Macht vernachlässigt. Kein Hirn der Welt scannt sämtliche Unwägbarkeiten des Lebens.)

Der Maler Martin Kippenberger schien mir für diese Schelmerei der ideale Künstler zu sein, da er unter dem Motto “ Lieber Maler, male mir …… “ andere Maler für sich malen ließ, so daß unter seinem Namen  -und seiner Signatur-  auch ganz untypische Kippenberger-Bilder entstanden. Bekanntestes Beispiel dafür ist das Bild „Paris Bar“, das er von dem Berliner Plakat-Maler Götz Valien für DM 1000 anfertigen ließ, und das auf einer Christie’s- Auktion € 2,5 Mio erzielte.
„Lieber Maler, male mir….“ wurde gradezu zum Synonym dafür, daß Künstler auch als „Ideen- und Auftraggeber Kunstwerke von fremden Künstlern erstellen lassen. Als Urheber gilt trotzdem immer jener Künstler, der das Werk in Auftrag gibt. Er ist der geistige Schöpfer.
Prominente Beispiele dafür sind z.B. Jeff Koons, Damien Hirst und Andy Warhol. (Zitat „Spiegel“ 30.10.2009).


 
ROBUST ROMANTISCHER RABAUKEN POP!: PARIS VARIATION: mit gallischem Hahn. € 4,200
 
Nicht vertraut mit den Souterrains des Lebens, brauche ich einige Wochen in den schattendunklen Tiefen der Berliner Hinterhöfe, um einen Künstler zu finden, der sich einen Kippenberger zutraut. Entdecke ihn dann auf dem Umwege über Flüstersprache, Augenzwinkern und Gebärdengestik ganz weit hinten in einem Antiquitätenladen, wo er ganz weit vorne alibihalber allerlei Tand und Trödel anbietet.
Ich mag ihn. Groß, athletisch gebaut, etwa 50 Jahre alt, offenes, doch lauerndes Gesicht und aufgewachsen in einem Waisenhaus, schlägt er sich schon seit Kindesbeinen durch das Gestrüpp des Lebens. Dass da gelegentlich schon mal ein Richter kurz vor der hungrigen Mittagspause ein ungeduldiges Urteil gegen ihn fällt, gehört für ihn zur Mechanik des Lebens.
Ich beauftrage ihn mit der Schaffung eines Kippenberger-Bildes von der Größe 180cm mal 200cm, hänge es pitschtropfenpatschnasstriefend an die Kaminwand meines gewaltigen Lofts und nehme Kontakt zu den beiden Giganten des Kunsthandels, Christie’s und Sotheby’s auf, sowie zum Berliner Auktionshaus Grisebach. Grisebach, das sind die (China) ………
Dies geschieht ganz dezidiert mit dem ausdrücklichen Hinweis auf die elterliche Herkunft des Bildes, verbunden mit der Frage, ob man dieses Bild für einen echten Kippenberger halte. Ich als Laie könne das nicht beurteilen.
Nicht auch nur andeutungsweise bot ich das Bild zum Kauf an. Wie könnte ich auch angesichts der …………..
Da das Bild trotz eines Trockners, den ich einsetze, um Ebbe und Flut auf der Leinwand halbwegs zu bannen, natürlich unvermeidbar nach frischer Farbe riecht, hänge ich es unerreichbar hoch an die sechs Meter hohe Kamin-Wand. Jeder neugierige Griff eines Besuchers nach der Leinwand würde sonst unweigerlich dazu führen, daß seine Finger in
der noch immer klebrigen Leinwandfarbe erstickt wären.
Und, potzblitz und ei der Daus, es schlägt ein: alle drei Häuser schicken ihre Gesandten, erst jene der Kontaktebene, die Vons und Vönchens, dann die
Zuständigereren, dann die Maßgeblichen. Von mir wird nach wie vor kein einziges Wort über ein Verkaufsbegehren geäußert. Im Gegenteil, nach einer Phase der Schnappatmung und Andacht vor dem Bild kam ganz schnell das Angebot, es über jeweils ihr Auktionshaus zu versteigern. Die Wohnung wurde zum  Wallfahrtsort, das Bild Gegenstand hymnischer Bewunderung. Ich frohlockte. Nach wie vor kein Wort von mir über eine Verkaufswilligkeit. Auch lehne ich das Begehren ab, das Gemälde zu fotografieren, denn dies könnte interpretiert werden als Einschleusung des Bildes in den Kunsthandel. Nach deutschem Recht ist es nicht illegal, eine Fälschung zu besitzen. Es ist nur strafbar, sie als echtes Werk in den Kunsthandel einzuschleusen. Angebote zur Versteigerung um die Wette, mündlich und schriftlich. Briefe. Mails. Das Auktionshaus Grisebach bietet an, das Bild als Titelbild oder als Doppelseite in der Mitte des nächsten Kataloges zu platzieren, den beiden prominentesten Stellen in einem Katalog.
 Mit immer neuen Fragen und Vorwenden zog ich diese Scheinverhandlung in die länge, um
a) zu sehen, wie weit sie sich gegenseitig in ihrem Angebot überbieten würden und
b) den Zeitpunkt abwarten zu können, an dem ich die Gelegenheit haben würde, die Katze aus dem Sack zu lassen: nämlich den Besuch von Frau Gisela Capitain in meiner Wohnung abzuwarten.

Frau Capitain war die Lebensgefährtin von Martin Kippenberger und gilt als Kippenberger-Spezialistin. Mir war bekannt, daß sie anläßlich einer bevorstehenden Berliner Kunstmesse, eines Empfanges in der Paris-Bar und einer Versteigerung eines Kippenberger-
Bildes in den nächsten Tagen nach Berlin kommen würde. So wollte ich sie unter dem Vorwand, ihren Rat in Sachen eines zweifelhaften Kippenberger zu benötigen, bitten, bei mir in der Wohnung vorbeizuschauen. Ich wußte, daß sie innerhalb von  Nanosekunden die Unechtheit erkennen, wenn nicht gar riechen würde. Jedoch würde ich ihr, so mein Plan. noch vor Betreten meiner Wohnung einen Brief im Beisein eines Anwaltes übergeben mit der Bitte, ihn nach der Besichtigung des Bildes zu öffnen. In diesem Brief hätte ich ihr von der Geschichte des Bildes und der dahinter stehenden PR-Idee berichtet und ihr in der Wohnung dann die Ergebenheits-Schreiben der berühmten Aktionshäuser vorgelegt.
Ich beschloß, Frau Capitain anzurufen, erreiche nur Ihre Sekretärin und hinterlasse dort die Bitte um Rückruf mit dem Hinweis, ihr einen kurzen Besuch in meinem in einer Seitenstraße des Kudamms gelegenen Wohnung vorzuschlagen. Da kein Rückruf erfolgt, melde ich mich am Tage vor dem Berliner Ereignis erneut dort und weise darauf hin, daß ich grade mal drei Taximinuten von der Paris-Bar entfernt wohne.
 
ROBUST ROMANTISCHER RABAUKEN POP!: PARIS VARIATION: mit gallischem Hahn. € 4,200
 
Ein Rückruf von Frau Capitain erfolgt auch diesesmal nicht, jedoch läutet es am nächsten Morgen früh gegen sechse an meiner Wohnungstür. Voller aufgeschlossener Neugierde auf die Imponderabilien des Lebens (die schöne Freundin des Nachbarn lag im Clinch mit ihrem Partner und ließ ein gewisse Geneigtheit erkennen, mich während seiner beruflichen Abwesentheiten intensiv mögen zu wollen), öffne ich in steiler Vorfreude die zwölfstahlzapfenfachgesicherte, holzverkleidete Stahltür.
 Vier Hände und vier bunte Ausweise recken sich mir entgegen. Da ist die Rede von „Guten Morgen, entschuldigen Sie bitte den frühen Besuch’“ und „Wir möchten uns gerne mal ein wenig bei Ihnen umschauen.“ Ich bitte meine vier Besucher, sich bei mir wie zu Hause zu fühlen und schlage vor, mich inzwischen unter die Dusche zurückzuziehen zu dūrfen. Sie finden meinen Vorschlag, olfaktorisch gesehen, wohl einleuchtend, baten mich nichtdestotrotz, heute morgen mal darauf zu verzichten und in ihrer Nähe zu bleiben.
Das Bild wurde konfisziert und mitgenommen. Ich auch …..
…..und treffe auf Hauptkommissar R.A., Deutschlands unbestrittene Kunstkriminalkapazität. Seine Stimme leise, seine Augen ruhig und klug. Ein Röntgengerät mit Herz. Er verurteilt nicht, er beurteilt. Ich glaube, er wãgt mehr mit den Augen und dem Bauch als mit den Ohren. Ein Kriminal-Sokrates.
„Da haben Sie ja den gesamten Hochadel des Kunsthandels vorgeführt“, sagt er, sinngemäß,  und blättert in den Unterlagen. „Na, ja, ist ja nichts passiert. Ich schlag‘ mal vor, daß wir bei Ihrer Cooperation in der Sache „Nussbaum-Bande“ (einer Sache, mit der ich nichts zu tun hatte, auf deren Beteiligte ich aber im Rahmen der Suche nach meinem Kippenberger-Künstler stieß) gerne auf eine Rücknahme der Strafanzeige hinwirken werden. Sie
haben ja,“ fuhr er sinngemäß fort, „Sie haben ja…..
*…..NICHT irgend jemandem der Beteiligten gegenüber behauptet, daß es ein
echter Martin Kippenberger sei, sondern immer expressis verbis
darauf hingewiesen, daß „das Bild aus dem Elternhaus kommt und
ich zu dessen Echtheit nichts sagen kann. Erbitte Ihre Einschätzung“.
*…..NICHT eine Anzahlung genommen
*…..NICHT einen Auktionsvertrag unterschrieben
*…..NICHT einen Auslieferungsvertrag unterschrieben
*…..NICHT eine physische Auslieferung des Bildes vorgenommen.
*…..NICHT einen Vermögensschaden verursacht
*…..NICHT das Bild zum Verkauf angeboten. Umgekehrt: Ihnen wurde
angeboten, es versteigern zu dürfen.“
….und“, ergänze ich, „NICHT absurderweise ausgerechnet ICH als derjenige, der mit dem Wissen über die neue Unüberlistbarkeit von Fälschungen sein zukünftiges Geld verdienen will, mit einem frischen, klebrigen, pitschptropfpatschnassem Bild starte  -abgesehen von der unvorstellbaren Torheit, mich der Gefahr einer Erpressung durch einen mehrfach vorbestraften Künstler oder dessen Plauderhaftigkeit beim nächsten Kneipenbesuch oder Schäferstündchen auszusetzen.“
Und NICHT ich mich an die ausgerechnet Allerkundigste aller Kippenberger-Kenner, seine  Exfrau und Galeristin mit der Bitte wende, ein Urteil über dieses Bild
abzugeben.
(Wie ich später erfahre, war offenbar genau dies passiert; hatte eine anonyme Anruferin, vermutlich eine Freundin des Malers, das Landeskriminalamt
Berlin davon unterrichtet, daß „der Maler A. den Auftrag erhalten hat, einen Kippenberger zu malen“.)
Trotzdem, potzblitz, trudelt einige Monate später die Prozeßankündigung ein.
ANWALTSSUCHE.
Aller Anwälte spontaner Kommentar, sinngemäß: „Das läuft auf einen Freispruch raus. Denn Sie haben ja …….
*…..NICHT irgend jemandem der Beteiligten gegenüber behauptet, daß es ein
echter Martin Kippenberger sei, sondern immer expressis verbis
darauf hingewiesen, daß „das Bild aus dem Elternhaus kommt und
ich zu dessen Echtheit nichts sagen kann. Erbitte Ihre Einschätzung“.
*…..NICHT eine Anzahlung genommen
*…..NICHT einen Auktionsvertrag unterschrieben
*…..NICHT einen Auslieferungsvertrag unterschrieben
*…..NICHT eine physische Auslieferung des Bildes vorgenommen.
*…..NICHT einen Vermögensschaden verursacht
*…..NICHT das Bild zum Verkauf angeboten. Umgekehrt: Ihnen wurde
angeboten, es versteigern zu dürfen.“
….und“, ergänze ich, „NICHT absurderweise ausgerechnet ICH als DERjenige, der mit dem Wissen über die Unüberlistbarkeit von Fälschungen sein zukünftiges Geld verdienen will, mit einem frischgemalten tropfenden Bild starte -abgesehen von der Unvorstellbarkeit, mich
der Gefahr einer Erpressung durch einen mehrfach vorbestraften Künstler oder dessen Plauderhaftigkeit beim nächsten Barbesuch oder Schäferstuenchen auszusetzen.“
Und NICHT ich mich an die ausgerechnet Allerkundigste aller Kippenberger-Kenner, seine  Exfrau und Galeristin mit der Bitte wende, ein Urteil über dieses Bild abzugeben.
 
ENTSCHEIDE MICH FÜR EINE ANWÄLTIN
Ihr Kommentar, sinngemäß:
„Na, das sieht doch nach Freispruch aus. Sie haben ja …..
*…..NICHT jemandem der Beteiligten gegenüber behauptet, daß es ein
echter Martin Kippenberger sei, sondern immer expressis verbis
darauf hingewiesen, daß „das Bild aus dem Elternhaus kommt und
ich zu dessen Echtheit nichts sagen kann. Erbitte Ihre Einschätzung“.
*…..NICHT eine Anzahlung genommen
*…..NICHT einen Auktionsvertrag unterschrieben
*…..NICHT einen Auslieferungsvertrag unterschrieben
*…..NICHT eine physische Auslieferung des Bildes vorgenommen.
*…..NICHT einen Vermögensschaden verursacht
*…..NICHT das Bild zum Verkauf angboten. Umgekehrt: Ihnen wurde
angeboten, es versteigern zu dürfen.“
….und“, ergänze ich, „NICHT absurderweise ausgerechnet ICH als derjenige, der mit  dem Wissen über die Unüberlistbarkeit von Fälschungen sein zukünftiges Geld
verdienen will, mit einem einige Tage alten, tropfenden Bild starte -abgesehen von der Unvorstellbarkeit, mich der Gefahr einer Erpressung durch einen mehrfach
vorbestraften Künstler oder dessen Plauderhaftigkeit beim
erstbesten Barbesuch oder Schäferstündchen auszusetzen“.
Und NICHT ich mich an die ausgerechnet Allerkundigste aller Kippenberger-Kenner, seine  Exfrau und Galeristin mit der Bitte wende, ein Urteil über dieses Bild abzugeben.
DER PROZESS
Es gibt irgendwie gar keinen Prozeß, keinen richtigen jedenfalls, finde ich. Es gibt die Verlesung der Anklageschrift gegen mich, und gegen andere. Die ‚Anderen‘: das ist hier der Prozeß gegen die „Nußbaumbande“ unter intensiver Medienbegleitung. Er erstreckt sich über fast ein Jahr, in dessen Verlauf von mir keine Kenntnis genommen wird, da sich gleich zu Beginn meine Nicht-Zugehörigkeit zu ihr erweist.
Ich sitze zwölf Monate lang einfach nur so da, wie ein Totempfahl. Dann ein kurzes Zwischenspiel. Ein Erdbebenzwischenspiel. Begleitet von Tsunami, Feuerbrunst und Schwefelsturm. Ein Erdbeben wie das Jüngste Gericht. Ohne jede Ankündigung, Grollen, oder Rauchzeichen. Nicht einmal meine höchstinstinktiöse Hündin Whiskey, die jeden Hauch aufziehender Unbill Tage im Voraus wittert, hat heute früh Anzeichen von Unruhe gezeigt.
Frau Anwältin neigen sich an mein Ohr. „Habe mal bei Staatsanwalt und Richter vorgefühlt. Ihre Sache ist doch recht eindeutig.“
Ich gähne herzhaft, nicke gelangweilt und sage: „Logisch, bei sieben NICHTs.“
Die Anwältin schüttelt den Kopf. „Nee, nee. Die da vorne sehen das anders. Der Staatsanwalt wird eine Haftstrafe von zwei Jahren und acht Monaten beantragen.“
Versteinerung.
Ich sag Dir, Bienchen, ein versteinerter Flottenfisch aus dem Prähistoricum ist dagegen so elastisch wie ein Haribo-Gummibārchen.
„GE-HE-HE-FÄÄHÄHÄNG–NIS ???????“
Blattschuß. Atemstillstand. Verwesungsgeruch. Hingemeuchelt  in der Blütezeit des Lebens? Ausradiert? Annulliert? Geköpft auf dem Gipfel aller lebensgesammelten Weisheiten? Gefallbeilt mit heiteren 68, liquidiert und weggewischt mitten im dritten Lebensviertel? Was wird hier gespielt?

„GE–FÄNG–NIS ????????“ Meine Augen werden größer als mein Gesicht.
Frau Anwältin geben sich höchst bekümmert.
„GE-HE-FÄNG-NIS? Hake ich nach  Wooohoooofüüüüür ???????.“
Sie hebt die Augenbrauen, vervielfaltet ihre Stirn und haucht: „Betrugsversuch. Paragraph Nummer ……. „. Die Nummer hab‘ ich vergessen.
„Betrugsversuch? Betrugsversuch für meine Frage an die Leuchttürme der Kunstauktionáre, an die Asse der Asse, ob dieser bunte, pitschtropfenpatschnasse Leinwandlappen ein echter Kippenberger sei? Betrugsversuch von jemandem, der genau mit der Erkenntnis über die Unüberlistbarkeit der modernen  Analyseverfahren sein Geld verdienen will? Betrugsversuch …..
Ich rassele der Frau Anwältin alle zehn NICHTS in’s Gesicht. Ihre Augen antworten rund und rostig und regungslos wie die toten Scheinwerfer eines ausrangierten Jeep.


 
SCHICKSALSKÄFER UND JUNGE: Leider nicht mehr meins.
Mehr dazu alsbald
 
„GE-HEHE-FÄHÄHÄNG-NIS?“
Frau Anwältin zucken mit den Schultern.
„Brauchen die Drei Macht-Inhaber das? Ist das die Rache für ihre blamabeligen Hymnen?  Müssen sie nicht jetzt erst recht befürchten, dass ich diese jetzt hier vorlege? Oder ist da eine Strategie dahinter, die ich nicht durchschaue ?
Synapsen-Chaos im Hirn. Da kommt mir eine Idee: Geldstrafe. Geldstrafe ist zur Zeit mächtig in und nach Paragraph 153a gängige Praxis. Selbst bei Geständnissen großer Straftaten. Geldgestraft verläßt der Angeklagte unvorbestraft das Gerichtsgebäude. Scheck und Tschüß.
Ich sage: „Geldstrafe! Dann doch höchstens eine Geldstrafe nach Paragraph 153a.“
Frau Anwältin schütteln mit dem Kopf, jedoch nicht mehr so entschieden wie zuvor. Und hält inne. Langsam strafft sich ihre Stirn, ihr Gesicht hellt sich auf. Hat sie eine erlösende Idee? Hoffnungsvoll schaue ich ihr aus meiner Galgenschlinge entgegen. Vorne drückt das Henkerseil auf meinen Kehlkopf, hinten sein Knoten auf meinen Schädel, und unter mir knarrt die windige Falltür, als knurre ihr der Magen vor Appetit nach so einer 192cm-Beute wie mir.
Sie beugt sich zu mir herüber.
„Eine Lösung gäb’s da ja, „flüstert sie.
Für einen Augenblick läßt der Druck der Schlinge nach. Ich halte den Atem an. Jetzt darf ich sicher aussagen, endlich den Mund aufmachen. Ja, überhaupt, warum stehe ich nicht einfach ungefragt auf und sage: „hallo, darf ich mal was sagen, Herr Richter?“ Oder sagt man „Hohes Gericht?“ Oder fühlt sich der Staatsanwalt bei dieser Anrede ausgeschlossen und wird unwillig? Wer hier wird bei was überhaupt unwillig oder willig oder geneigt oder empört oder versöhnlich oder ungehalten oder wirsch oder weißderteufelwas? War noch nie in einem Gerichtssaal. Bin ausgeliefert. Rechtlos.
Frau Anwältin flüstern mir in’s Ohr: „Das Gericht hätte da so eine Idee.“ Ihre Augen beginnen, zu leuchten.
Meine auch. Freispruch?! Wußt‘ ich’s doch. Ich atme durch. Die wollen mich nur erschrecken. Aber warum? Bin ich vielleicht Teil eines psychologischen Studienobjektes über Verhaltensforschung in Paniksituationen?
Sie holt tief Luft: „Ein Deal. Was halten Sie von einem Deal?“
Einen Deal?
„Was für einen Deal?“ ratlos schaue ich sie an. Denkt sie an eine Honararverdoppelung, an ein Schäferstündchen, an eine Einladung zum Wiener Opernball?


 
ROBUST ROMANTISCHER RABAUKEN POP!: LE PARFUM, MON SOLEIL: 100 x 100 cm. Acryl auf Leinwand.
Georg Plank, 1922. Variation Knut Eicke, € 3,200
 
„Unter der Bedingung, daß Sie ein verhandlungsfreies Geständnis ablegen, und wir nicht in eine wochenlange Beweisaufnahme treten müssen, wäre man bereit, die Strafe auf ein Jahr und acht Monate zu reduzieren und sie mit einer kurzen Bewährungsfrist zu versehen.“
Das soll ein Deal sein? Ein Deal, das ist doch ein Kompromiss, eine Vereinbarung zwischen zwei Parteien zur gegenseitigen unzufriedenen Zufriedenheit. Das hier jedoch ist eine Erpressung! Das ist doch eine krumme Sache, das ist ……..Mir bleibt die Puste weg. So ein krummes Ding hier von solchen Leuten hier? Darf ein „HOHES Gericht “ mir so etwas NIEDERträchtiges vorschlagen?
Ist ja krimineller als das, was mir vorgeworfen wird. Darf das ruchbar werden? Oder ist das jetzt hier eine quasi-kollegiale Sache in trautem Rahmen unter uns? Bin ich jetzt Partner? Erlaubt der Staat das? Muß das schriftlich festgehalten werden, daß  man mir mit so’nem Schmuddelkram kommt? Nee, bestimmt nicht! Dann würden die von da oben ja alle hier unten auf der Anklagebank landen, wegen Nötigung, wegen Erpressung, wegen Anstiftung zur Falschaussage, wegen weißnichwas. Und zwar als Bande. Bandenmitglied zu sein ist mächtig strafverschärfend.
Ein buddhistischer Großer Weiser kommt mir in den Sinn: „Kein Unwetter auf Erden kann so groß sein wie die Stürme in Deiner Seele.“
Inzwischen weiß ich, daß der Deal als die „Hure der Justiz“ gilt. Das ist eine Beleidigung für die Huren. Huren, Freudenmädchen, bereiten Freude, Entspannung und Trost.
Ein Jahr und drei Monate gegen zwei Jahre und acht Monate. Da ist was faul. Hab‘ das Gefühl, daß die da oben mich ja eigentlich freisprechen möchten, dies aber nicht in’s Schachspiel des Imperiums paßt.
„Ich hab‘ hier mal ein Geständnis formuliert“, zaghaft und zentimeterweise ruckelt sie zwei Seiten Papier zu mir rüber.“
Ich schüttele den Kopf und schiebe sie zurück.
Heute versteh‘ ich, wieso BGH-Richter Ralf Eschelbach sagt, daß etwa ein Viertel aller Urteile Fehlurteile sind. Bei 1 Million Urteilen pro Jahr verlassen also etwa 250,000 unschuldig Verurteilte den Gerichtssaal. Wenn ein Fehlgeurteilter im Schnitt noch 40 Jahre lebt, laufen auf Deutschlands Straßen mehr als acht Millionen Menschen rum, die unschuldig verurteilt wurden. Acht Millionen! Oder happich da falsch gerechnet, Baby? ….
Meine Synapsen hängen durch. Sie funken nicht mehr. Ich bin ohne Hirn. Alles ist Stein. Geröll. Teer. Der Stecker ist gezogen. Mausetot.
Hat ein Solitaire überhaupt  eine Chance gegen ein Imperium? Hat das Imperium nicht jede Chance gegen einen Solitaire? Die Gelegenheit des öffentlich-gezeigten Großmutes,  des Lächelns über einen Reinfall, über eine Panne oder Schwäche? Wäre doch gradezu mal PR der feinen Art für das Imperium.
 
„Wenn Sie jetzt unterschreiben, wäre alles erledigt. Lassen Sie Unterlagen mal Unterlagen sein und neu starten. Sie schaffen das schon. Sie sind ja ein guter Typ“, sagt sie. „Jeder kriegt mal einen Leberhaken. Nehmen Sie es sportlich und starten durch“,  sie schaut mich eindringlichst an.
Aha, die Unterlagen. Faule Kiste. Also auch die vielen Hymnen auf das nasse Stück Leinwand über dem Kamin.
*Ist eine Unterschrift unter Schockeinwirkung überhaupt gültig?
*Weiß das Gericht eigentlich, was es wissen müßte, um in die Nähe
eines  fairen Urteils zu kommen?
*Ist Folter in Deutschland nicht verboten?
*Ist das hier nicht eine Beugung des Rechts?
*Ist solch ein Deal nicht eine Erpressung
*Ist Erpressung in Deutschland nicht verboten? Nicht höchst strafbar?
*Ist eine erpresste Unterschrift denn gültig in Deutschland?
*Macht sich der Erpresser, also hier Weißderteufelwer, oder die ganze Clique
hier, alle zusammen sozusagen, nicht strafbar?  Ab drei Personen ist man eine
Bande. Ist massiv strafverschärfend Um mich herum hier sind das fünfe.
Müßte dann diese Bande da oben nicht hier unten sitzen. Auf der Anklagebank?
*Hätte ich nicht gehört werden müssen, zumindest ein bischen? Muß man mir
nicht sagen, was ein Deal bedeutet, und welche Folgen ein gedealtes
Geständnis hat?
 
ROBUST ROMANTISCHER RABAUKEN POP!: FLAGGE: 200 x 100 cm, Acryl, Lack und Folie auf Leinwand.
Knut Eicke, € 8,200

*Und überhaupt: hat das hier alles seine Richtigkeit hinsichtlich der Form und
Vorgehensweise? Ist das hier ein korrektes Verfahren? In welchem Gestrüpp steck‘
ich hier? Was muss ein Laie wissen, um hier jetzt nicht zu verrecken?
*Ist ein Prozeß ohne Anhörung überhaupt ein Prozeß? Prozess kommt
doch von procedere, sich entwickeln, vorwärtskommen. War knüllergut in
Latein. Weiß heute noch, daß „a, ab, cum und de, sine, pro und prae, coram, ex und e mit dem Ablativ stehen“. Ärgere mich deshalb immer, wenn die
Leute sagen „coram publicum“. Ist das hier ok? Im juristischen Sinne ok?
Und ok in jedwederweißderteufelwas Hinsicht o.k? Hab‘ ein
massives Nee-Gefühl. Rumpelt es hier nicht vor Form-  und
Verfahrensfehlern?
Frau Anwältin spürt das Erdbeben in mir, das mit Stärke 12 auf der
Richterskala in mir tobt und nach Ausbruch lechzt. Das Lava
brodelt schon auf Höhe der Stimmbänder. Sie ahnt den Vulkan
und ahnt, daß ich kurz davor bin, unbremsbar loszulegen und
den Gerichtssaal mit einem Worte-Tsunami zu stürmen.  Ja, überhaupt,
warum stehe ich nicht einfach auf und sage: „Guten Morgen, Herr Richter.
Ich hab‘ da ’nen Vorschlag. Darf ich mal was sagen zu meinem Fall?
Und Ihnen mal eben alle NICHTS rüberreichen? Ich happse alle hier,
alle sieben. Kostet Sie drei Minuten; alles Einleuchtende und Entlastende und
alle Plausibillitäten stecken auf einen Blick dadrauf dadrin. Das braucht
keine wochenlangen Beweisaufnahmen, das braucht nur einen
flüchtigen Blick auf meine sieben NICHTs und wir sind durch. Und all die
Hymnen und die Angebote happich auch hier. Die müssten Sie doch
auch haben bei Ihren Unterlagen, oder, Herr Richter?
Laden Sie doch mal alle Beteiligten ein. Warum müssen
die nicht hier antreten? Weil es die Macht-Inhaber sind?
 
Ach, Mist, was ist das für ein Scheiß hier. Fühl mich verloren. Ich höre ein fernes Wimmern. Es ist meine Hündin Whiskey. Sie weint.
Muß das Gericht bei soviel Unschuldsbeweisen nicht ein Geständnis mit Mißtrauen betrachten, sich fragen, was da gekungelt wird? Gekungelt zum Beispiel zwischen Anwalt und den Auktionshäusern. Und mich erst recht anhören wollen?
Ach nee, verdammt, die kungeln ja mit!
Was, wenn ich jetzt hier loslege? Wird das ein Befreiungsschlag, und alle freuen sich über mich und schütteln mir beide Hände? Und ich kriege einen Freispruch mit Goldrand?  Oder ist es mein Todesurteil, weil ich aufsässig, uneinsichtig. rechthaberisch, unbeherrscht bin, typisch Kunstfälscher eben. Welche Mechanismen setze ich da in Bewegung? Oder außer Kraft? Wer überhaupt wird neugierig oder verschlossen oder aufgeschlossen oder fühlt sich angeschossen, ertappt oder vernachlässigt oder übergangen. In welchem Irrgarten steck ich hier? Wer hält zu wem,  und wer nicht zu wem, und wer strickt welche Allianzen? Warum bin ich nicht mein eigener Verteidiger?
Stimmt das überhaupt mit dem Deal? Was, wenn der erfunden ist, um mich gefügig  zu machen und ich dann doch mehr als zwei Jahre kriege? Die Anwältin könnte meine diesbezügliche Behauptung sofort zur Lüge deklarieren. Ist ja sicher nicht schriftlich festgehalten. Oder ich auch ohne Geständnis weniger kriege, oder gar freigesprochen würde. Oder, oder, oder. Mit dem Geständnis muß sie kein Plädoyer schreiben. Immer‘ wenn ich das Gedankenkaleidoskop ein Stückchen weiterdrehe, entstehen neue Fragezeichen. Stand ja noch nie vor Gericht!

Meine Aufstehmuskeln zucken und wollen mich vom Sitz katapultieren. Frau Anwältin sehen mich durchdringend an. Ich glaube, sie will mich hypnotisieren, sitzenzubleiben, den Mund zu halten und zu unterschreiben. Es ist ganz still im Gerichtssaal. Sogar die Fliegen am Fenster des Gerichtssaals halten die Luft an. Der gesamte Fliegenflugverkehr ist eingestellt. Und unter mir knarrt hungrig die Falltür.
Panisch starre ich  auf das ächzende,  morsche Holz. Aus einer der Ritzen grinst mir ein teuflisches Gesicht entgegen, ich glaube, es ist die Freisler-Fratze,  dem berüchtigten Präsidenten des Volksgerichtshofes. Die Erniedrigung der Angeklagten durch ihn war grenzenlos. So ließ er ihnen die Hosenträger, Hosenknöpfe und Gürtel abnehmen, und da sie der Verhandlung stehend folgen mussten, waren sie gezwungen, ständig ihre Hosen festzuhalten.
Augenhöhe? Gerechtigkeit? Wenn ich jetzt im Wilden Westen des Jahres 1852, spränge meine Smith & Wesson, Kaliber .45, vor Empörung von selbst aus dem rauhen Halfter, würde Augenhöhe und Gleichheit anbieten und sechsmal kurz und trocken aufbellen.
Freisler fällte insgesamt 2400 Todesurteile. Ist ja nix gegen das Fallbeil Deal. Dieses hat wesentlich mehr Menschen geschlachtet und in den Tod getrieben. Schätzungsweise jeder 200. Falschverurteilte kriegt das Leben nicht mehr in den Griff und verabschiedet sich. Hingemeuchelt, ruf- gemordet, ausgestoßen, verfemt und ausgespuckt. Es heißt ja Ruf-MORD, nicht Ruf-Ankratzung oder Ruf-Rülpser, Ruf-Delle oder Ruf-Beschädigung; Nee, nee  gemordet, ermordet. FAZ: „Kachelmanns Ruf bleibt gemordet“. Du stehst da ohne Ruf, Inhalt, Gerüst oder Fleisch und das im Zeitalter des ewigen Internet. Dir bleibt nur noch deine schlabbrige Hülle übrig, die kannste dann auch noch hinterherwerfen.


 
ROBUST ROMANTISCHER RABAUKEN POP!: DER KUß: 100 x 100 cm. Acryl und Öl auf Leinwand.
Knut  Eicke, € 2,900
 
Man sagt, ein Sterbender sieht noch einmal den ganzen Lebensfilm an sich vorbeiziehen. So geht’s mir jetzt hier. Wie in einem Fingerhut ballt sich da alles zu einem schweren, schwarzen Loch von Atombombe.
 Was sagte da noch der berühmte Kriminalhauptkommissar R. A. „Da haben Sie ja den gesamten Hochadel des Kunsthandels vorgeführt.“ Isses das? Vorgeführt. Zum Gespött gemacht?
Die Crème de la Crème des Kunsthandels. Die Korrespondenz, die Hymnen, die Aufwartungen? Für ein pitschpatschnasses Gemälde an der Kaminwand, dessen frischer Öl- und Acrylgeruch die Atmung lähmt
Liegt hier liegt der Schlüssel zu diesem Theater?

Das Trio Imperiale muß mit allen Mitteln verhindern, daß es öffentlich eingestehen muß, wie sehr es sich vor einem farb-triefenden Bild blamiert hat. Es müßte dann kleinlaut zu den zehn großen NICHTs Stellung nehmen und zu der Korrespondenz und den Hymnen. Auf der anderen Seite: vorbestraft soll der Lümmel sein, damit er in eigenem Interesse in der Öffentlichkeit leise ist und die Klappe hält. Es gilt, die Balance zu halten: Strafe ja, aber bloß keine Verhandlung, denn an der „Strafsache Eicke“ haben die Medien kein Interesse -jedoch sofort haben könnten, wenn die Blamabilität des Imperiums zur Sprache käme.
Jetzt wird ein Schuh draus Deshalb wurde mein Nicht-Prozess abgespalten vom großen Hauptverfahren. Presse nicht anwesend.
Na ja, so oder so ähnlich.
 
Das Imperium schlägt zurück.
Ist dies also gar nicht ein Deal zwischen der Anwältin und der Staatsanwaltschaft? Die hätten mich vielleicht gar nicht bestraft, sondern ein Deal zwischen der Anwältin und den großen drei Auktionshäusern, den Macht-Inhabern, die mich gestraft sehen wollen?
Denn sie müßten befürchten, daß ich sonst jubilierend mit Ihren Hymnen durch die Lande ziehe.
Anders ist nicht zu erklären, daß man aus so vielen duften zehn NICHTS nix macht. Was sonst sollte dahinter stecken?
Gegen diese Konstellation haste keine Chance, sagt das Erdbeben in mir. Ich darf meine Hündin nicht alleine lassen. Sie sitzt da draußen vor dem Gerichtsgebäude, und ich weiß, daß sie den ganzen Mist hier spürt und fiepsend an der schweren, schwarzen Gerichtspforte scharrt. Und eingeht, wenn ich eingehe.
Ich wäge und wiege und werte und denke und grüble und hirne und kalkuliere.
Verstohlen mustere ich meine Anwältin. Wenn sie mich doch schon mit allem Bisherigen massiv auf den Arm genommen hat, warum sollte sie sich dann jetzt als ehrliche Haut entpuppen? Und somit auf einen grandiosen Sieg für das Imperium verzichten?


 
ROBUST ROMANTISCHER RABAUKEN POP!: LE PARFUM, MON AMOUR: 100 x 100 cm, Acryl auf Leinwand. Georges Lepape, 1922. Variation Knut  Eicke, € 3,200

Allerdings muß sie wohl befürchten, daß dann alle Felsen auf meiner Zunge unter galaktischem Getöse in den Saal eruptieren.
Also Qual der Wahl. Lebenswette. Setze ich auf das eine oder setze ich auf das andere? Oder gibt es gar eine schlaue Kombination von Beidem, so eine Art Schlaumeiersschlitzohrschlupflochlösung? Wie kann ich den Triumph meiner zehn Freunde, meiner NICHTs, doch noch zur Geltung bringen. Hallo, Ihr Zehn.
Ich bin alle.
Ich verschränke meine Arme. Die Anwältin merkt, daß es in mir kocht und brodelt und ich jetzt zum Aufstand neige. Sie beugt sich zu mir rüber, ihre Stimme ist eindringlich:
„Sie haben ihr ganzes Leben im Ausland verbracht, sind dort mehr zu Hause als hier“
Aha, neuer Schachzug.
Ich verstehe. Versteht ja jeder. Steht ja immer in der Zeitung: „Fluchtgefahr. Der Richter ordnete deshalb die sofortige Überführung in die Festungshaft an“.
Dies ist kein Prozeß, dies ist der Kampf eines Eichhörnchens gegen eine Armee von Gänsegeiern, Cobra-Schlangen und Flugdinosauriern. Die Falltür knarrt, die Schlinge würgt.
Und dann: „Hab‘ da einen Vorschlag. Wir machen den Deal, dann sind Sie frei. Und dann beantragen wir Revision beim BGH. Selbst, wenn die Revision schiefgehen sollte: die Strafe darf nicht höher ausfallen als hier. „Das ist doch was, oder?“ Sie zwinkert mir zu. Wie unter Kollegen, die das Ding schon schaukeln.“ Sagen Sie heute ja. Und dann auf zum BGH“ lacht sie

Neuer Zug auf dem Schachbrett. Ich brainstorme. Jetzt ein falsches Geständnis, dann frei nach Hause gehen?  Und dann dem Richter am Bundesgerichtshof erzählen, wie’s wirklich war und ihm die zehn NICHTS schicken. Der Herr Bundesrichter ist hier nicht Mitglied der Berliner Mischpoke. Ich atme auf. Jau, das isses! Ich spüre, daß Lady Whiskey vor dem Gerichtsgebäude vor Freude mit der Rute wedelt.
Ich signiere das Geständnis. Die Anwältin liest es vor. Ich will es nicht hören. Ich stopfe mir Zeitungspapier in die Ohren, denke an Sex mit der schönen Iranerin, die mir bei der Pedicure immer meinen linken Fuß gegen ihre rechte kleine Brust drückt. Kleine Brüste machen mich massiv verrückter als große. Mein rechter Fuß landet inzwischen unter ihrem geblümten Kleidchen und der große Zeh wächst weit über sich hinaus, wird zu einer prallen, kochenden Keule und zieht fast den ganzen ganzen Fuß mit in die Tiefe ihres hungrigen, brodelnden Schoßes.
Das Urteil. 1 Jahr und drei Monate. Bewährung. „Weil Sie bisher nie in Erscheinung getreten sind.“
Ein Jahr und drei Monate? Ich dachte, ein Jahr und acht Monate. Hätte ja geheißen, daß ich auch ohne falsches Geständnis nicht hätte in’s Gefängnis müssen?
Also an allen, wirklich allen Fronten hier mächtig auf den Arm genommen.
Der  Richter:  „Haben Sie noch etwas zu sagen?“
„Nee, Sir. Sie?“
Pause
„Nee.“ Pause. „Sir“.
Die ganze Angelegenheit Eicke hat zwanzig Minuten gedauert. Zwanzig Minuten mit Deal statt vier Wochen ohne Deal.
Ergebnis: doppel-dreifach ruiniert, hingemeuchelt, ruf gemordet, ausgestoßen, verfemt, wegradiert und ausgespuckt .Rufmord ist schlimmer als Mord, als Leiche kriegst du den Mord nicht mit, rufgemordet jedoch bist du eine lebenslange Leiche.
Mein Weltbild ändert sich.
Ich torkele aus dem Gerichtssaal. Neben mir Frau Rechtsanwältin. Sie nickt mir aufmunternd zu. „Werden gleich morgen an den BGH schreiben.“
Heute weiß ich, daß ein Deal nicht BGH-fähig ist. Wie nennt man das, was sie da mit mir gemacht hat, Baby, abgesehen von Formfehlern, Faktenfehlern und Verfahrensfehlern in meinem „Prozess“ Bereits einer der drei ist ausreichend Grund für eine Wiederaufnahme des Prozesses. Also auf zum BGH und zur Not zum Bundesverfassungsgericht. Inzwischen ist der Widerruf meines Geständnisses und der Antrag auf Wiederaufnahme erfolgt.
Ich stürme auf meine Hündin zu. Wir rennen uns gegenseitig über den Haufen. Sie jault, lacht und springt im Kreise und an mir hoch. Wie zwei alllerbeste Freunde pesen wir los. Stelle fest, daß Lady Whiskey in den letzten Stunden ganz weißhaarig um ihre feine Schnauze geworden ist. „Ihr solltet heiraten,“ ruft uns eine alte Frau zu. „Hammwa schon“, bellt Whiskey zurück und kackt an die nächste Parkuhr. Scheiß auf die Kunst und scheiß auf Kippenberger.
 
________________________________________
 
und hier geht`s weiter:
________________________________________
JUSTIZOPFER! SIE AUCH?
ZUM FALSCHEN GESTÄNDNIS GEZWUNGEN! SIE AUCH?
WIDERRUF UND WIEDERAUFNAHME ERWOGEN?
ANWALTSCHAFTLICHE PRÜFUNG IHRES URTEILS ZUM FESTPREIS!
Vor mir sitzt Rechtsanwalt H.D. Versonnen schaut er einer
Fliege nach, die neugierig auf seinem linken Handrücken
auf- und abläuft. Anwalt D. ist Wiederaufnahmespezialist
für Fehlurteile, für Leute, die unter dem Druck des sogenannten
Deals ein falsches, ein erpresstes Geständnis abgelegt haben.
Vom HOHEN Gericht vor die NIEDERträchtige,
prozeß-verkürzende und revisionsverzichtende Wahl
gestellt „Geständnis oder Gefängnis“, wird der stolzeste
Mensch zum Wurm unter der Stiefelsohle des Schicksals,
knickt ein und zieht als physisch freier, aber gedemütigter,
rufgemorderter, ausradierter und ausgespuckter Mensch
vondannen. Hunderttausendfach.
„Die Fliege kitzelt,“ sagt der Anwalt und betrachtet sie mit
zärtlicher Zuneigung.

Wir sitzen draußen beim Italiener, haben uns eine Pizza geteilt und
wollen  -vor dem Hintergrund meines inzwischen eingereichten
Geständnis-Widerrufs und Wiederaufnahmeantrages-  über zwei
Dinge reden….
….. zum Einen über die Idee, diesen Justiz-Opfern zu einem Festpreis
die Überprüfung der Akten-Prozeß im Hinblick auf die Chancen eines Wiederaufnahmeantrages anzubieten.
„Es gibt da ja ein recht übersichtliche Anzahl von gesetzlichen Grundvorrausetzungen, die erfüllt sein müssen, damit der Deal gültig ist.
Häufig wurden sie nicht erfüllt. Der Deal ist dann unwirksam,„,
sagt Anwalt H.D., „Das Urteil kann infolgedessen angefochten und ein
Antrag auf Wiederaufnahme des Prozesses gestellt werden. Der
Angeklagte läuft übrigens nicht Gefahr, härter bestraft zu werden als
im Ersturteil, hat aber angesichts der guten Aktenlage, die zur
Wiederaufnahme geführt haben, gute Chancen auf Freisspruch
Er bittet mich, ihm seine Pizza in Stücke zu schneiden, damit er die
linke Hand mit der Fliege nicht benutzen muß.
Eine winzige Mücke landet auf der Akte „Widerruf und Wiederaufnahme“,
ganz in der Nähe der Fliege.   
…. und zum Anderen wollen wir reden über die Chancen einer
Millionenklage wegen Rechtsbeugung oder Erpressung
oder Schadensersatz oder Rufmord oder alles zusammen.
„Ein Richter in …….wurde doch grad erst jetzt wegen
Rufmordes und Rechtsbeugung verurteilt und vom Dienst suspendiert.
Karriere zu Ende,“ sage ich und schiebe nach:
„Da hatten er und die anderen Mitwirkenden noch Glück, daß
sie nicht als Bande eingestuft wurden. Das wäre mächtig mehr
strafverschärfend gewesen.“
„Verscheuch mir meine Fliege nicht“, sagt Rechtsanwalt H.D. zur
Mücke und zermalmt das junge Mückenleben mit seinem rechten
Mittelfinger.
„Das war jetzt ein kaltblütiger, egoistischer Mittelfingermückenmord,“
sage ich vorwurfsvoll, kratze die Leiche vom Aktendeckel
und beerdige sie in der vertrockneten Erde des Blumentopfs
neben dem Aschenbecher.

Copyright Knut Eicke